§ 177 StGB. Sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung

Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich vom 15. Mai 1871
[10. November 2016]
1§ 177. Sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung.
(1) Wer gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person sexuelle Handlungen an dieser Person vornimmt oder von ihr vornehmen lässt oder diese Person zur Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen an oder von einem Dritten bestimmt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer sexuelle Handlungen an einer anderen Person vornimmt oder von ihr vornehmen lässt oder diese Person zur Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen an oder von einem Dritten bestimmt, wenn
  • 1. der Täter ausnutzt, dass die Person nicht in der Lage ist, einen entgegenstehenden Willen zu bilden oder zu äußern,
  • 2. der Täter ausnutzt, dass die Person auf Grund ihres körperlichen oder psychischen Zustands in der Bildung oder Äußerung des Willens erheblich eingeschränkt ist, es sei denn, er hat sich der Zustimmung dieser Person versichert,
  • 3. der Täter ein Überraschungsmoment ausnutzt,
  • 4. der Täter eine Lage ausnutzt, in der dem Opfer bei Widerstand ein empfindliches Übel droht, oder
  • 5. der Täter die Person zur Vornahme oder Duldung der sexuellen Handlung durch Drohung mit einem empfindlichen Übel genötigt hat.
(3) Der Versuch ist strafbar.
(4) Auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr ist zu erkennen, wenn die Unfähigkeit, einen Willen zu bilden oder zu äußern, auf einer Krankheit oder Behinderung des Opfers beruht.
(5) Auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr ist zu erkennen, wenn der Täter
  • 1. gegenüber dem Opfer Gewalt anwendet,
  • 2. dem Opfer mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben droht oder
  • 3. eine Lage ausnutzt, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist.
(6) [1] In besonders schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren zu erkennen. [2] Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn
  • 1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder vollziehen lässt oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder von ihm vornehmen lässt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung), oder
  • 2. die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird.
(7) Auf Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter
  • 1. eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt,
  • 2. sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich führt, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden, oder
  • 3. das Opfer in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung bringt.
(8) Auf Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter
  • 1. bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet oder
  • 2. das Opfer
    • a) bei der Tat körperlich schwer misshandelt oder
    • b) durch die Tat in die Gefahr des Todes bringt.
(9) In minder schweren Fällen der Absätze 1 und 2 ist auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu drei Jahren, in minder schweren Fällen der Absätze 4 und 5 ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen der Absätze 7 und 8 ist auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.
Anmerkungen:
1. 10. November 2016: Artt. 1 Nr. 6, 3 des Gesetzes vom 4. November 2016.

Umfeld von § 177 StGB

§ 176b StGB. Sexueller Mißbrauch von Kindern mit Todesfolge

§ 177 StGB. Sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung

§ 178 StGB. Sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung mit Todesfolge

Entscheidungen zu § 177 StGB

Bundesgerichtshof StGB § 177 Abs. 4 1. § 177 Abs. 4 Nr. 2 Buchst. b StGB …. b) rechtliche Bedenken (vgl. hierzu auch BGH StV 1998, 76; BGHR StGB § 177 Abs. 1 Strafzumessung 13 … Rdn. 12; Renzikowski NStZ 1999, 377, 384; Schroth Strafrecht BT 3. Aufl. S. 97; a. A. Horn in SK-StGB § 177 Rdn. 34 und allgemein für den Eintritt einer konkreten Gefahr: Gössel in Festschrift für Lange …
Bundesgerichtshof StGB § 177 Abs. 2 § 177 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 StGB verlangt, daß der Täter selbst die "Vergewaltigung" ausführt. BGH, Urteil vom 22. 4. 1999 - 4 StR 3/ 99; LG Stendal (Lexetius.com … 1985, 71, 72; bei Miebach NStZ 1994, 224; BGHR StGB § 177 Abs. 1 Mittäter 1). Der Gesetzgeber … aufrechterhalten (vgl. BGH NStZ 1995, 244, 245; BGHR StGB § 177 Abs. 1 Drohung 2); eine bloße Ausnutzung …
Bundesgerichtshof StGB § 177 Abs. 1 Nr. 3 Die Ausnutzung derselben schutzlosen Lage allein reicht nicht aus, mehrere sexuelle Handlungen zu einer Tat im Rechtssinne zu verbinden. BGH, Urteil vom 25. 10. 2001 - 4 StR 262/ 01; LG Dortmund (Lexetius.com/2001,2881 [2002/12/519]) Der 4. Strafsenat … nur eine Tat im Rechtssinne vorliegt (vgl. BGH NStZ 1999, 83; 2000, 419, 420; BGHR StGB § 177 Abs …
Bundesgerichtshof StGB § 177 Abs. 1 Nr. 3 Zur schutzlosen Lage aufgrund von Umständen, die in der Person des Opfers begründet sind. BGH, Urteil vom 27. 3. 2003 - 3 StR 446/ 02 (Lexetius.com/2003,3332 [2004/3/100]) Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat in der Sitzung vom 27. März 2003 für Recht erkannt: Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 18. März …
Bundesgerichtshof StGB § 177 Abs. 1 Nr. 3 Der objektive Tatbestand des § 177 Abs. 1 Nr. 3 StGB setzt voraus, dass das Tatopfer unter dem Eindruck seines schutzlosen Ausgeliefertseins aus Furcht vor möglichen Einwirkungen des Täters auf einen ihm grundsätzlich möglichen Widerstand verzichtet …., Renzikowski in MüKo-StGB § 177 Rdn. 46 f.; Lenckner/ Perron in Schönke/ Schröder StGB 26. Aufl. § 177 Rdn …
Bundesgerichtshof StGB § 177 Abs. 4 Nr. 1, § 24 Ein "Teilrücktritt" von der Qualifikation des § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB kommt nicht in Betracht, wenn das Qualifikationsmerkmal bereits verwirklicht ist. BGH, Urteil vom 4. 4. 2007 - 2 StR 34/ 07; LG Aachen (Lexetius.com/2007,604) Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat in der Sitzung vom 4. April 2007, an der teilgenommen haben: Vorsitzende …
Bundesgerichtshof StGB § 177 Abs. 4 Nr. 1 Zur Verwirklichung des Tatbestands des Verwendens eines gefährlichen Werkzeugs bei einer sexuellen Nötigung reicht es aus, wenn der Täter das Werkzeug ohne Nötigungskomponente, sondern allein zur eigenen Luststeigerung im unmittelbaren Zusammenhang mit dem sexuellen Geschehen gegen das Tatopfer einsetzt. BGH, Beschluss vom 15. 4. 2014 - 2 StR 545/13; LG …
Bundesgerichtshof StGB § 177 Abs. 4 Nr. 2 Buchst. a Eine schwere körperliche Mißhandlung liegt nicht bereits dann vor, wenn die sexuelle Nötigung mit einer besonderen Herabwürdigung des Opfers … erniedrigende Sexualpraktiken erzwungen hat, und dies strafschärfend gewertet werden kann (BGHR StGB § 177 II Strafzumessung 1), hat der Tatrichter nicht übersehen. …
Bundesgerichtshof StPO § 251 Abs. 1 Nr. 2; StGB § 177 Abs. 1 Nr. 3 1. Kann ein Zeuge in der Hauptverhandlung nicht abschließend vernommen werden, können Aufklärungsgesichtspunkte die Verlesung von Niederschriften über frühere Vernehmungen rechtfertigen. 2. Allein die auslandsspezifische Hilflosigkeit eines Tatopfers und dessen Angst vor ausländer- und strafrechtlichen Konsequenzen …
Bundesgerichtshof StGB § 176a Abs. 5 StGB § 177 Abs. 4 Nr. 2 Buchst. a Schmerzhafte anale …/98, NStZ 1998, 461; BGH, Urteile vom 13. September 2000 - 3 StR 347/00, BGHR StGB § 177 Abs. 4 … bei Kindern auf dieser Basis nicht selten den Qualifikationstatbestand des § 176a Abs. 5 StGB177 … sein werden, der Gesetzgeber für derartige Taten in § 176a Abs. 2 Nr. 1 StGB177 Abs. 2 Satz 1, 2 Nr. 1 …
Bundesverwaltungsgericht Dienstvergehen; Schwere; Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung; außerdienstliches Sexualdelikt; versuchte Vergewaltigung; Ausgangspunkt der Zumessungserwägungen; Dienstgradherabsetzung; Unterhaltsbeitrag; Aberkennung; Unwürdigkeit. WDO § 38 Abs. 1, § 58 Abs. 7, § 63 Abs. 3; SG § 17 Abs. 2 Satz 2, § 23 Abs. 1; StGB § 177 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 Satz 2 Nr. 1, §§ 22, 23 …